Artemisia annua mit 72 % Alkohol – bewusst hydroalkoholisch extrahiert
Unser Artemisia-annua-Extrakt mit 72 % Alkohol ist ein mehrwöchig angesetzter Kaltauszug aus Artemisia-annua-Blättern. Die Kombination aus Ethanol und Wasser schafft ein hydroalkoholisches Extraktionsmilieu, das sich deutlich von einem nahezu wasserfreien Alkoholansatz unterscheidet. Damit steht bei dieser Variante nicht die möglichst starke Ausrichtung auf eine einzelne Stoffgruppe im Vordergrund, sondern ein vergleichsweise breit angelegtes Extraktionsprofil.
Ethanol und Wasser ergänzen sich als Extraktionsmittel
Welche Bestandteile einer Pflanze in einen Auszug übergehen, hängt wesentlich vom verwendeten Lösungsmittel ab. Ethanol und Wasser besitzen unterschiedliche chemische Eigenschaften. Wird ihr Verhältnis verändert, verändert sich deshalb auch das Spektrum der extrahierten Pflanzenbestandteile.
Mit einem Alkoholgehalt von 72 % enthält dieser Extrakt einen relevanten Wasseranteil. Dadurch unterscheidet sich sein Extraktionsverhalten deutlich von einem Ansatz mit 96 % Alkohol. Hydroalkoholische Mischungen im Bereich um 70 % werden auch in wissenschaftlichen Untersuchungen zu Artemisia annua eingesetzt.
Eine aktuelle Untersuchung aus dem Jahr 2025 bewertete 70-prozentiges Ethanol als besonders interessante praktische Alternative für die Extraktion aus Artemisia annua: Es ermöglichte eine hohe Rückgewinnung von Artemisinin und gleichzeitig die Mitextraktion weiterer Pflanzenbestandteile wie Flavonoiden und phenolischen Verbindungen.
→ Wissenschaftliche Studie bei PubMed Central ansehen
ACS Omega, 2025: Recovery and Economic Aspects of Extraction Methods for Artemisinin and its Precursors from Artemisia annua L. Leaves.
72 % Alkohol sind deshalb keine abgeschwächte Form eines hochprozentigen Extraktes. Es handelt sich vielmehr um eine bewusst gewählte, eigenständige Extraktionsstrategie.
Was den 72-%-Extrakt kennzeichnet
Hydroalkoholische Extraktion
72 % Ethanol verbinden die Lösungseigenschaften von Alkohol mit einem deutlich höheren Wasseranteil als bei unserem 96-%-Extrakt.
Breites Extraktionsprofil
Durch das Zusammenspiel von Ethanol und Wasser können Pflanzenbestandteile unterschiedlicher Polarität in den Auszug übergehen.
Schonender Kaltauszug
Der Extrakt wird über mehrere Wochen ohne zusätzliche Erwärmung angesetzt. Wir verzichten bewusst auf eine thermisch unterstützte Schnell- oder Heißextraktion.
Der Alkoholgehalt beeinflusst das Extraktionsprofil
Artemisia annua enthält eine Vielzahl unterschiedlicher natürlicher Pflanzenstoffe. Dazu gehören unter anderem Artemisinin, Artemisininsäure, Dihydroartemisininsäure, weitere Sesquiterpene, Flavonoide und verschiedene phenolische Verbindungen.
Diese Stoffgruppen unterscheiden sich in ihren chemischen Eigenschaften und ihrer Löslichkeit. Deshalb gibt es nicht einen einzigen Alkoholgehalt, der für sämtliche Bestandteile gleichermaßen optimal ist.
Wie deutlich sich der Ethanolgehalt auf das Ergebnis auswirken kann, zeigt eine 2021 veröffentlichte Untersuchung. Darin wurden Artemisia-annua-Extrakte mit 0, 25, 50 und 90 % Ethanol miteinander verglichen und mittels HPLC beziehungsweise Massenspektrometrie analysiert.
Unter den dort verwendeten Versuchsbedingungen stieg der gemessene Artemisinin-Gehalt von 2,0 ± 0,1 mg/ml bei 25 % Ethanol über 4,6 ± 0,2 mg/ml bei 50 % auf 7,9 ± 0,8 mg/ml bei 90 % Ethanol. Gleichzeitig zeigten andere untersuchte Stoffgruppen ein anderes Konzentrationsmuster. Ein steigender Ethanolgehalt verbessert also nicht automatisch die Extraktion sämtlicher Pflanzenbestandteile gleichermaßen.
→ Untersuchung mit unterschiedlichen Ethanolkonzentrationen ansehen
Biomolecules, 2021: Vergleich von Artemisia-annua-Extrakten mit 0, 25, 50 und 90 % Ethanol.
Auch für Polyphenole spielt der Wasseranteil eine Rolle
Dass eine möglichst hohe Alkoholkonzentration nicht für jede Stoffgruppe automatisch optimal ist, zeigt auch eine 2024 veröffentlichte Untersuchung. Die Forscher stellten hydroalkoholische Extrakte mit 50, 60, 70, 80 und 96 % Ethanol her und untersuchten unter anderem die Extraktion verschiedener Polyphenole.
Unter den untersuchten Bedingungen wurde die höchste Polyphenol-Ausbeute bei 80 % Ethanol erreicht. Identifiziert wurden unter anderem Apigenin, Luteolin, Neochlorogensäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure und Isoquercitrin.
Diese Ergebnisse unterstützen den grundsätzlichen Ansatz eines hydroalkoholischen Extraktes: Ein nennenswerter Wasseranteil kann für bestimmte stärker polare Pflanzenbestandteile von Bedeutung sein, während sehr hohe Ethanolkonzentrationen andere Stoffe bevorzugen können.
→ Studie mit 50 bis 96 % Ethanol bei PubMed ansehen
Molecules, 2024: Untersuchung hydroalkoholischer Artemisia-Extrakte mit 50, 60, 70, 80 und 96 % Ethanol.
Zwei Alkoholgehalte – zwei unterschiedliche Extraktionsprofile
72 % Alkohol
Der höhere Wasseranteil macht die Extraktionsflüssigkeit polarer als nahezu reinen Alkohol. Dadurch kann ein vergleichsweise breites Spektrum unterschiedlich löslicher Pflanzenbestandteile erfasst werden.
Aktuelle Untersuchungen mit 70 bis 80 % Ethanol zeigen sowohl eine gute Artemisinin-Rückgewinnung als auch die Extraktion verschiedener Flavonoide und phenolischer Verbindungen.
Diese Variante ist deshalb bewusst als breit angelegter hydroalkoholischer Extrakt konzipiert.
96 % Alkohol
Bei 96 % Alkohol ist nur noch ein geringer Wasseranteil vorhanden. Das Extraktionsverhalten verschiebt sich dadurch stärker in Richtung solcher Pflanzenbestandteile, die in hochkonzentriertem Ethanol besonders gut löslich sind.
Für Artemisinin zeigen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen bei hohen Ethanolkonzentrationen besonders hohe Extraktionswerte.
Der 96-%-Extrakt ist deshalb nicht einfach eine „stärkere“ Version, sondern ein anders ausgerichteter Extrakt.
Hohe Ethanolkonzentrationen können Artemisinin begünstigen
Dass sich ein sehr hoher Alkoholgehalt besonders auf die Artemisinin-Extraktion auswirken kann, wurde auch in einer gezielten Optimierungsstudie untersucht. Dabei wurden unter anderem Ethanolkonzentration, Pflanzen-Lösungsmittel-Verhältnis und Ultraschallbehandlung systematisch variiert.
Die höchste Artemisinin-Ausbeute innerhalb dieses Versuchs wurde bei 95 % Ethanol erzielt. Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass nicht allein die Alkoholkonzentration entscheidend war: Das Verhältnis zwischen Pflanzenmaterial und Lösungsmittel hatte in diesem Versuchsaufbau sogar den größten Einfluss auf die Extraktionseffizienz.
→ Originalstudie bei Springer Nature ansehen
Revista Brasileira de Farmacognosia, 2017: Optimierung der Artemisinin-Extraktion aus Artemisia annua.
Genau deshalb betrachten wir 72 % und 96 % nicht als Abstufungen von „schwach“ zu „stark“. Die unterschiedliche Zusammensetzung des Lösungsmittels beeinflusst vielmehr, welche Pflanzenbestandteile unter den jeweiligen Bedingungen bevorzugt extrahiert werden.
Was diese Studien belegen – und was nicht
Die verlinkten wissenschaftlichen Untersuchungen belegen, dass die Ethanolkonzentration und weitere Extraktionsparameter die Zusammensetzung und Ausbeute eines Artemisia-annua-Extraktes wesentlich beeinflussen können. Sie erklären damit die wissenschaftliche Grundlage für die unterschiedlichen Extraktionsprofile unserer 72-%- und 96-%-Varianten.
Die in Studien gemessenen Konzentrationen lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf unseren Extrakt übertragen. Pflanzencharge, Sorte, Standort, Erntezeitpunkt, Trocknung, Zerkleinerungsgrad, Extraktionsdauer, Temperatur, Pflanzen-Lösungsmittel-Verhältnis und weitere Herstellungsparameter können das Ergebnis beeinflussen.
Ohne eine Analyse der jeweiligen Produktcharge geben wir deshalb bewusst keinen konkreten Artemisinin-, Flavonoid- oder Polyphenolgehalt für dieses Produkt an.
Die wissenschaftlichen Quellen dienen ausschließlich der Einordnung des Extraktionsverfahrens und der unterschiedlichen Lösungseigenschaften verschiedener Ethanol-Wasser-Verhältnisse. Aus ihnen wird keine gesundheitliche oder therapeutische Wirkung unseres Produktes abgeleitet.
20 g Artemisia annua je 100 ml Extraktionsflüssigkeit
Für unseren 72-%-Extrakt verwenden wir 20 g getrocknete Artemisia-annua-Blätter je 100 ml Extraktionsflüssigkeit. Der Ansatz verbleibt über mehrere Wochen bei Raumtemperatur und wird anschließend von den Pflanzenteilen getrennt.
Wir setzen bewusst auf ein einfaches und nachvollziehbares Verfahren: Artemisia annua, Ethanol, Wasser und ausreichend Zeit für die Extraktion.
- •72 % Alkohol
- •20 g Artemisia-annua-Blätter je 100 ml Extraktionsflüssigkeit
- •Mehrwöchige Mazeration
- •Keine zusätzliche Erwärmung während der Extraktion
- •Abgefüllt in lichtschützendem Violettglas
Die Grundlage unserer Einordnung
70 % Ethanol als praxisnahes Extraktionsmittel
Untersuchung verschiedener Extraktionsverfahren für Artemisinin, Dihydroartemisininsäure und Artemisininsäure. 70 % Ethanol zeigte eine hohe Artemisinin-Rückgewinnung und ermöglicht gleichzeitig die Mitextraktion von Flavonoiden und phenolischen Verbindungen.
Rodrigues et al., ACS Omega, 2025
Einfluss der Ethanolkonzentration
Direkter Vergleich von Extrakten mit 0, 25, 50 und 90 % Ethanol. Der Artemisinin-Gehalt war unter den untersuchten Bedingungen bei 90 % am höchsten, während andere Stoffgruppen andere Konzentrationsverläufe zeigten.
Abate et al., Biomolecules, 2021
50 bis 96 % Ethanol im direkten Vergleich
Untersucht wurden hydroalkoholische Extrakte mit 50, 60, 70, 80 und 96 % Ethanol. Die höchste Polyphenol-Ausbeute wurde unter den untersuchten Bedingungen bei 80 % Ethanol festgestellt.
Bernatoniene et al., Molecules, 2024
Optimierung der Artemisinin-Extraktion
Bei einer systematischen Untersuchung verschiedener Extraktionsparameter wurde die höchste Artemisinin-Ausbeute innerhalb des Versuchs mit 95 % Ethanol erzielt. Gleichzeitig zeigte die Untersuchung, dass weitere Herstellungsparameter einen erheblichen Einfluss besitzen.
de Silva et al., Revista Brasileira de Farmacognosia, 2017
Hinweise zum Produkt
Der Extrakt enthält einen hohen Anteil Ethanol. Bitte verschlossen, kühl und lichtgeschützt aufbewahren und von Hitze, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten.
- •Enthält 72 % vol. Alkohol.
- •Von Zündquellen und offenen Flammen fernhalten.
- •Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden.
- •Bei bekannter Korbblütler-Unverträglichkeit Artemisia annua beachten.
- •Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.








