Passionsblumen Extrakt – 100 ml
Die Passionsblume gehört zu den botanisch außergewöhnlichsten und zugleich wissenschaftlich intensiv untersuchten Pflanzen der traditionellen europäischen Pflanzenkunde. Besonders gut dokumentiert ist Passiflora incarnata L., deren oberirdisches Kraut reich an charakteristischen C-glykosidischen Flavonoiden wie Vitexin, Isovitexin, Orientin, Isoorientin, Schaftosid und Isoschaftosid sein kann. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Passionsblumenkraut als eigenständigen traditionellen pflanzlichen Arzneirohstoff und beschreibt dabei sowohl getrocknetes Kraut als auch verschiedene Flüssigextrakte. Der Passionsblumen Extrakt von Hildegard and more wird in der praktischen 100-ml-Flasche angeboten.
Passiflora incarnata – die wissenschaftlich maßgebliche Arzneipflanze
Unter dem Namen Passionsblume existiert eine große Pflanzengattung mit zahlreichen unterschiedlichen Arten.Für die europäische Arzneipflanzenkunde ist insbesondere Passiflora incarnata L. von Bedeutung.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur definiert Passiflorae herba ausdrücklich als die oberirdischen Pflanzenteile von Passiflora incarnata.
Zu diesen oberirdischen Teilen gehören insbesondere:
- •Blätter
- •Stängel und Ranken
- •Blüten beziehungsweise blühende Pflanzenteile
Für den konkreten Hildegard-and-more-Extrakt sollte die botanische Art und der tatsächlich verwendete Pflanzenteil mit der Produktkennzeichnung abgeglichen werden.Die wissenschaftlichen Erläuterungen dieser Seite beziehen sich auf die besonders gut dokumentierte Art Passiflora incarnata.
→ Passionsblumenkraut bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur
Woher die Passionsblume ihren Namen hat
Die auffällige Blüte der Passionsblume zählt zu den ungewöhnlichsten Blütenformen überhaupt.Ihr Aufbau mit einem auffälligen Strahlenkranz, fünf Staubblättern und drei Narben führte bereits früh zu symbolischen Deutungen.
Spanische Missionare sahen in der Blütenstruktur verschiedene Symbole der Passion Christi.Daraus entwickelte sich der Name Passiflora – sinngemäß „Passionsblume“.
Der Name beschreibt damit keine botanische Eigenschaft oder Wirkung der Pflanze, sondern hat einen kulturgeschichtlichen Ursprung.
Flavonoide stehen im Mittelpunkt der modernen Analytik
Die Pflanzenchemie von Passiflora incarnata ist ausgesprochen komplex.Besonders intensiv untersucht wurden ihre Flavonoide.
Charakteristisch sind insbesondere sogenannte C-glykosidische Flavone.
Zu den wissenschaftlich beschriebenen Verbindungen gehören:
- •Vitexin
- •Isovitexin
- •Orientin
- •Isoorientin
- •Schaftosid
- •Isoschaftosid
- •weitere verwandte Flavonoidglykoside
Bereits klassische massenspektrometrische Untersuchungen konnten mehrere dieser C-glykosidischen Flavonoide direkt aus Passiflora incarnata isolieren und strukturell charakterisieren.
→ Massenspektrometrische Untersuchung der Passionsblumen-Flavonoide
Ein bekanntes C-glykosidisches Flavon
Vitexin gehört zu den bekanntesten Flavonoiden der Passionsblume.
Chemisch handelt es sich um ein C-Glykosid des Flavons Apigenin.Bei einem C-Glykosid ist der Zuckeranteil über eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung direkt mit dem Flavonoid-Grundgerüst verbunden.
Diese Bindungsform unterscheidet C-Glykoside von vielen anderen pflanzlichen Flavonoidglykosiden und beeinflusst unter anderem ihre chemische Stabilität und ihren Stoffwechsel.
Vitexin kommt allerdings nicht ausschließlich in Passionsblumen vor, sondern auch in verschiedenen anderen Pflanzen.
Strukturell verwandt – aber chemisch eigenständig
Isovitexin ist eng mit Vitexin verwandt.
Beide Verbindungen besitzen Apigenin als Grundstruktur und unterscheiden sich darin, an welcher Position der Zuckerrest gebunden ist.
Isovitexin gehört zu den häufig verwendeten analytischen Markerverbindungen für Passiflora incarnata.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass sich Isovitexin- und andere Flavonoidgehalte zwischen verschiedenen Pflanzenproben erheblich unterscheiden können.
Luteolin-basierte C-Glykoside
Neben den Apigenin-basierten Verbindungen Vitexin und Isovitexin besitzt die Passionsblume auch C-Glykoside auf Basis von Luteolin.
Hierzu gehören insbesondere:
- •Orientin
- •Isoorientin
Die Kombination unterschiedlicher C-glykosidischer Flavone trägt zu dem charakteristischen phytochemischen Profil der Pflanze bei.
Moderne Forschung beschäftigt sich inzwischen auch damit, wie diese Flavonoide im menschlichen Verdauungssystem und in der Leber metabolisiert werden könnten.
Zwei weitere charakteristische Flavonoide
Auch Schaftosid und Isoschaftosid werden regelmäßig in wissenschaftlichen Arbeiten zu Passiflora incarnata beschrieben.
Diese Verbindungen besitzen eine komplexere Zuckerstruktur und gehören ebenfalls zu den C-glykosidischen Flavonoiden.
Gemeinsam mit Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin bilden sie einen wichtigen Teil des analytischen Fingerabdrucks von Passionsblumenkraut.
Unterschiedliche Chemotypen von Passiflora incarnata
Ein besonders spannendes Ergebnis moderner Pflanzenforschung ist, dass selbst Pflanzen derselben botanischen Art unterschiedliche chemische Profile besitzen können.
Eine pharmakognostische Untersuchung von elf Passiflora-incarnata-Proben identifizierte zwei deutlich unterschiedliche Gruppen.
Ein Chemotyp war insbesondere geprägt durch:
- •Isovitexin
- •Schaftosid
- •Isoschaftosid
Ein anderer Chemotyp enthielt dagegen deutlich mehr Swertisin und geringere Mengen von Schaftosid beziehungsweise Isoschaftosid.
Das zeigt, warum selbst bei botanisch korrekt identifiziertem Passiflora incarnata nicht automatisch ein vollkommen identisches Flavonoidprofil erwartet werden kann.
Warum ein Pflanzenextrakt nicht immer exakt gleich zusammengesetzt ist
Passionsblume ist ein Naturrohstoff.Die Konzentration einzelner Pflanzenstoffe kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden.
- •Genetik beziehungsweise Chemotyp
- •Standort
- •Boden und Klima
- •Entwicklungsstadium der Pflanze
- •Erntezeitpunkt
- •verwendeter Pflanzenteil
- •Trocknung und Lagerung
- •Extraktionsverfahren
Ein nicht auf bestimmte Flavonoide standardisierter Pflanzenextrakt kann deshalb natürliche Schwankungen zwischen einzelnen Chargen aufweisen.
Passionsblumenkraut ist offiziell europäisch bewertet
Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt für Passiflora incarnata L., herba eine eigene europäische Pflanzenmonographie.
Die EMA berücksichtigt verschiedene Zubereitungsformen des getrockneten Passionsblumenkrautes.Dazu gehören neben zerkleinertem und pulverisiertem Pflanzenmaterial auch unterschiedliche Flüssigextrakte.
In der Monographie werden beispielsweise Extraktionsmittel mit:
- •25 % Ethanol
- •45 % Ethanol
- •60 % Ethanol
- •70 % Ethanol
für jeweils genau definierte Extrakte aufgeführt.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeder Passionsblumenextrakt mit einer dieser Alkoholkonzentrationen automatisch dem EMA-Arzneimittelstandard entspricht.Dafür müssen unter anderem Pflanzenart, Pflanzenteil, Droge-Extrakt-Verhältnis und Herstellungsverfahren übereinstimmen.
Die Monographie zeigt jedoch sehr deutlich, dass alkoholisch-wässrige Extrakte eine etablierte wissenschaftliche Zubereitungsform für Passionsblumenkraut darstellen.
Was die EMA tatsächlich feststellt
Die EMA ordnet definierte Passionsblumenkraut-Zubereitungen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein.
Dabei beruht die Anerkennung auf der langjährigen traditionellen Verwendung bestimmter, genau definierter Arzneizubereitungen.
Diese regulatorische Einordnung darf nicht mit einem klinischen Wirksamkeitsnachweis jedes beliebigen Passionsblumenproduktes verwechselt werden.
Genau deshalb wird aus der EMA-Monographie auf dieser Produktseite keine medizinische Wirkung des Hildegard-and-more-Extraktes abgeleitet.
Interessante Ergebnisse – aber keine pauschale Übertragbarkeit
Zu Passiflora incarnata existieren mittlerweile auch klinische Untersuchungen am Menschen.
Dabei wurden insbesondere standardisierte oder genau definierte Forschungspräparate untersucht.Einige Studien berichten interessante Ergebnisse in Bereichen wie nervlicher Belastung, Angstempfinden oder Schlaf.
Die wissenschaftliche Gesamtlage ist jedoch deutlich komplexer.
Bereits ein umfangreicher Review zur klinischen Forschung kam zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Untersuchungen methodische Schwächen besitzen.Dazu gehören:
- •kleine Teilnehmerzahlen
- •unzureichende Angaben zu den verwendeten Extrakten
- •unterschiedliche Dosierungen
- •unterschiedliche Extraktionsverfahren
- •teilweise unzureichende Verblindung oder Randomisierung
Daraus folgt:Ergebnisse eines bestimmten klinisch untersuchten Präparates dürfen nicht auf einen anderen, nicht identisch zusammengesetzten Passionsblumenextrakt übertragen werden.
→ Review zur klinischen Evidenz und Sicherheit von Passiflora incarnata
Passionsblume bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion
Auch in aktuellen Übersichtsarbeiten wird Passiflora incarnata weiterhin intensiv diskutiert.
Eine aktuelle wissenschaftliche Übersicht aus dem Jahr 2026 wertet pharmakologische, klinische, toxikologische und regulatorische Daten zur Passionsblume gemeinsam mit weiteren bekannten europäischen Arzneipflanzen aus.
Die Autoren sehen interessante klinische Hinweise, betonen aber zugleich den weiterhin bestehenden Bedarf an hochwertigen randomisierten Studien mit präzise charakterisierten und standardisierten Extrakten.
Gerade dieser Punkt ist für eine seriöse Produktbeschreibung entscheidend:Passionsblume ist wissenschaftlich interessant – aber unterschiedliche Extrakte sind nicht automatisch miteinander austauschbar.
Harman-Verbindungen werden ebenfalls untersucht
Neben Flavonoiden werden bei Passionsblumen auch verschiedene Indol- beziehungsweise β-Carbolin-Alkaloide wissenschaftlich untersucht.
Dazu gehören beispielsweise:
- •Harman
- •Harmin
- •Harmol
- •Harmalol
- •Harmalin
Moderne analytische Verfahren ermöglichen die gleichzeitige Untersuchung solcher Alkaloide und verschiedener Flavonoide in Passiflora-Arten.
Die tatsächlichen Konzentrationen können jedoch sehr gering und stark abhängig von Pflanzenmaterial und Analysenmethode sein.
Für den Passionsblumen Extrakt von Hildegard and more ist kein definierter Gehalt dieser Alkaloide ausgewiesen.
→ UPLC-Analyse von Flavonoiden und Alkaloiden verschiedener Passiflora-Arten
Keine ausgewiesene Einzelstoffkonzentration
In den aktuell verfügbaren Produktinformationen ist keine Standardisierung auf einzelne Passionsblumenstoffe ausgewiesen.
Insbesondere wird kein definierter Gehalt angegeben für:
- •Vitexin
- •Isovitexin
- •Orientin
- •Isoorientin
- •Schaftosid
- •Isoschaftosid
- •Swertisin
- •Harman- beziehungsweise Harmin-Alkaloide
Der Extrakt sollte deshalb als komplexer Pflanzenextrakt und nicht als standardisiertes Vitexin-, Isovitexin- oder Flavonoidpräparat beschrieben werden.
Keine Übertragung einzelner Studien auf dieses Produkt
Die Passionsblume ist Gegenstand zahlreicher Labor-, Tier- und Humanstudien.
Die untersuchten Produkte unterscheiden sich jedoch teilweise erheblich hinsichtlich:
- •botanischer Herkunft
- •Pflanzenteil
- •Extraktionsmittel
- •Droge-Extrakt-Verhältnis
- •Standardisierung
- •Dosierung
Deshalb sind Forschungsergebnisse zu einem bestimmten Passiflora-Präparat kein automatischer Wirksamkeitsnachweis für einen anderen Extrakt.
Die wissenschaftlichen Informationen auf dieser Seite dienen der fundierten Pflanzenkunde und der Erklärung natürlicher Inhaltsstoffe – nicht als Heil-, Behandlungs- oder Vorbeugungsversprechen.
Historische Zuordnungen nicht überdehnen
Hildegard and more führt den Passionsblumen Extrakt innerhalb seines Sortiments von Extrakten und Tinkturen mit Bezug zur traditionellen Pflanzenkunde.
Bei der Passionsblume ist jedoch eine historische Besonderheit zu beachten:Die Gattung stammt ursprünglich aus Amerika und wurde in Europa erst nach den transatlantischen Entdeckungsreisen bekannt.
Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 – also mehrere Jahrhunderte früher.
Eine unmittelbare Verwendung der amerikanischen Passiflora incarnata durch Hildegard von Bingen wäre daher historisch nicht plausibel.
Der Passionsblumen Extrakt sollte deshalb als Bestandteil des heutigen Hildegard-and-more-Sortiments beziehungsweise der modernen Pflanzenkunde beschrieben werden – nicht als originale Hildegard-Rezeptur.
100 ml Pflanzenextrakt
Der Passionsblumen Extrakt wird mit einer Füllmenge von 100 ml angeboten.
Für Angaben zu Verschluss, Alkoholgehalt, genauer Zusammensetzung und gegebenenfalls verwendetem Extraktionsverhältnis sind die Angaben auf der aktuellen Produktverpackung beziehungsweise die verbindliche Herstellerdeklaration maßgeblich.
Familienbetrieb aus Albstadt-Ebingen
Hildegard and more ist ein Familienbetrieb aus Albstadt-Ebingen auf der Schwäbischen Alb.Zum Sortiment gehören Kräuter, Gewürze, Extrakte, Tinkturen, Tees, Kräuterweine und weitere Naturprodukte.
Die aktuelle offizielle Herstelleranschrift lautet:
Hildegard and more
Caterina Cerasale
Johannes-Mauthe-Str. 14
72458 Albstadt-Ebingen
Passionsblume wissenschaftlich genauer betrachtet
EMA-Pflanzenmonographie
Offizielle europäische Einordnung von Passiflora incarnata L., herba und verschiedenen traditionellen Zubereitungen.
Flavonoide der Passionsblume
Massenspektrometrische Charakterisierung von Schaftosid, Isoschaftosid und weiteren C-glykosidischen Flavonoiden.
Chemotypen
Untersuchung unterschiedlicher Passiflora-incarnata-Proben mit deutlichen Unterschieden bei Isovitexin, Schaftosid, Isoschaftosid und Swertisin.
Flavonoid-Metabolismus
Moderne Forschung zum Stoffwechsel von Orientin, Isoorientin, Schaftosid, Isoschaftosid, Vitexin und Isovitexin.
Flavonoide & Alkaloide
UPLC-Analyse von Orientin, Isoorientin, Vitexin, Isovitexin und verschiedenen β-Carbolin-Alkaloiden in Passiflora-Arten.
Klinische Evidenz
Kritische wissenschaftliche Auswertung von Ethnopharmakologie, klinischen Studien und Sicherheitsdaten zu Passiflora incarnata.
Aktuelle Forschung 2026
Aktuelle Übersicht zu klinischer Evidenz, Sicherheit und regulatorischer Einordnung der Passionsblume.
Hildegard and more
Offizielle Herstellerseite mit Informationen zum Familienbetrieb und Produktsortiment.
Fragen zum Passionsblumen Extrakt
Welche Passionsblume ist wissenschaftlich besonders gut untersucht?
Welche Pflanzenteile werden bei Passiflora incarnata traditionell verwendet?
Welche Pflanzenstoffe sind für Passionsblume bekannt?
Was ist Vitexin?
Was ist Isovitexin?
Was sind Orientin und Isoorientin?
Besitzt jede Passionsblume dieselbe Zusammensetzung?
Gibt es eine EMA-Monographie zur Passionsblume?
Führt die EMA auch 60-prozentige Ethanolextrakte auf?
Ist der Passionsblumen Extrakt auf bestimmte Flavonoide standardisiert?
Sind medizinische Wirkungen eindeutig bewiesen?
Hat Hildegard von Bingen Passiflora incarnata verwendet?
Warum können sich einzelne Chargen unterscheiden?
Passionsblumen Extrakt auf einen Blick
- •Produkt: Passionsblumen Extrakt
- •Hersteller: Hildegard and more
- •Füllmenge: 100 ml
- •Pflanzlicher Bestandteil: Passionsblume
- •Wissenschaftliche Referenzart: Passiflora incarnata L.
- •Standardisierung: kein definierter Flavonoid-Einzelstoffgehalt ausgewiesen
- •Herstelleranschrift: Hildegard and more, Caterina Cerasale, Johannes-Mauthe-Str. 14, 72458 Albstadt-Ebingen


